Für Kriegszwecke wurde eine 90 kg schwere Glocke, die am unteren Glockendurchmesser mit 118 cm gemessen wurde, im Juli
1917 am Landratsamt in Hünfeld abgegeben. Die Glockenbronze wurde für Granatführungsringe eingeschmolzen. In den Pfarreiakten Nüst vom 9. Januar 1920 ist in einem Schreiben des Pfarrers Franz Josef Rudolph von Mackenzell (1913-1921) an das Bischöfliche Generalvikariat folgendes zu lesen: ,,Die Nüster Glocke ist seit 29.12.1919 da, steht bekränzt in der Kapelle und wartet auf die Weihe. Sie wiegt 258 Pfd. Das Kilo kostet 12 M und die Montage a Pfd. 1,50 M. Mit Fracht und Aufhängung komme die Glocke auf 2000 M. Die Nüster sind ganz begeistert. Ich bitte nochmals um Weihevollmacht; denn man will die Glocke hören ... ".
Die Genehmigung zur Glockenweihe wurde von Fulda am 12. Januar 1920 erteilt. Also war ab 1919 wieder eine zweite Glocke in Nüst vorhanden. Ob sie zurückgegeben oder neu beschafft wurde ist nicht bekannt. Die Glocke hatte einen Durchmesser von 58 cm und Ton „e", und wurde in der Firma Otto in Hemelingen bei Bremen gegossen.
Zwischen den beiden Weltkriegen errichtete die Bevölkerung den gefallenen und vermissten Nüster Soldaten rechts vom alten Friedhof ein
Ehrenmal aus Säulenbasalt. Wie aus Zeitungsberichten hervorgeht war bereits in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg „ein ansehnlicher Betrag" für einen Kirchenneubau angespart worden, der aber in der Inflationszeit der 20er Jahre verlorenging. Wiederum zu Kriegszwecken musste die nach dem 1. Weltkrieg hinzugekommene Glocke
1942 abgegeben werden. So hing wieder unser altes Glöckchen von 1743 allein im alten Kirchturm.