Die aus den Jahren um 1880 stammende Glocke hatte zunächst in der alten Nüster Kirche und anschließend von 1956 bis 1962 auch im neuen Gotteshaus des Hünfelder Stadtteils geläutet, wie Hess während seiner Begrüßung der zahlreichen Bürger formulierte.
Auf die Idee, die Glocke am neuen Friedhof zum Einsatz kommen zu lassen, waren - so Ortsvorsteherin Ute Janzen - Willi Heil und Willi Odenwald gekommen. Karl Seng als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates habe den Gedanken aufgegriffen und sei der „spiritus rector" dieses nun realisierten Vorhabens.
Die Pläne für den Glockenturm waren vom Mackenzeller Architekturbüro Carsten Trapp und Stefan Wagner entwickelt worden, denen Joachim Hess besonders dankte. „Wir sind sehr froh darüber, das Ganze ist toll geworden", betonte der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Nüst. Gleichwohl hätten sich heimische Firmen unentgeltlich um die Entstehung verdient gemacht oder —wie die VR Bank NordRhön und die Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung Fulda-Hünfeld eG — Spenden beigesteuert. Dies gelte freilich auch für viele Nüster Bürger, so Hess, der Ende 2010 nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung zum Bau des Glockenturms im Rathaus Hünfeld die Gesamtkosten mit rund 5 000 Euro veranschlagt hatte. Dank sagte er der Stadtverwaltung, die sich auch um die Gestaltung des Umfeldes kümmere.
Bevor er den Glockenturm segnete, sprach Pater Klaus Söhnel (OMI) von einem „ansprechenden und würdigen Standort“ am neuen Nüster Friedhof. „Glocken begleiten uns seit Jahrtausenden“ sagte der Pater. Der Glaube an Gott sei der Grundton des Lebens und somit auch die Basis einer Glocke. Das „rostige Erscheinungsbild" des Werkes aus Stahl wiederum skizziere den Wandel, denn Glocken läuteten nicht nur zum Beginn eines Lebens, sondern kündeten auch von Trauer, wenn ein Mensch gestorben sei.
Ortsvorsteherin Ute Janzen sprach gleichfalls von einem „gelungenen Werk", das dank der Mithilfe vieler Menschen habe geschaffen werden können. Joachim Hess gebühre für sein großes Engagement Dank und Anerkennung, ebenso der Kirchengemeinde und der Stadt Hünfeld.
Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel erinnerte daran, dass die Idee eines solchen Glockenturmes erstmals 2005 in einem Protokoll des Ortsbeirates Nüst aufgetaucht sei. Bereits während ihm die Pläne dargelegt worden seien, hätten ihn diese beeindruckt. „Ich war sofort angetan von dem Entwurf", so der Bürgermeister, der den Glockenturm als „passend zu diesem Ort" bezeichnete. Den rostig anmutenden Stahl könne man zum einen als „Zeichen der Vergänglichkeit" interpretieren, zum anderen als modernes künstlerisches Stilmittel. Fennel dankte Hess dafür, dass sich dieser auch um die rechtlichen Angelegenheiten gekümmert habe und übergab ihm eine Aha-Sonderausgabe, die anlässlich der Europapreisvergabe herausgebracht worden war.
Bevor es zu Kaffee und Kuchen ins Bürgerhaus ging (auch hier kam der Erlös dem Projekt zugute), sprach Architekt Stefan Wagner von einer angenehmen und konstruktiven Zusammenarbeit. Den Glockenturm samt Glocke beleuchtete er unter den Aspekten „Herkunft und Symbolik", „Materialität" sowie „Gestaltung und Form". Die verwendete Stahlart besitze die besondere Eigenschaft, dass unter der obersten Schicht eine dicke Schutzschicht zu finden sei, die quasi für „scheinbar Unendliche Dauerhaftigkeit" sorge. Insofern könne von einem „ewigen Leben" gesprochen werden.
Die Feierstunde wurde umrahmt vom Gesangverein Nüst unter Leitung von Walter Glotzbach.