50 Jahre St. Vitus-Kirche Nüst

Festschrift von 2006

Anfänge des Christentums
in Nüst

(Copyright: Manfred J. Aha, Nüst)

„Mit Bonifatius begann gewissermaßen die Geschichte des Christentums in Euerem Land" sagte Papst Johannes Paul II. am 18.November 1980 auf dem Fuldaer Domplatz.
Bereits im Jahre 1594 war Nüst eine Filiale der Pfarrei Hünfeld und hatte eine Kapelle. Doch waren die Bewohner der Vorderrhön mit der Christianisierung durch die Missionare schon über einen längeren Zeitraum zum Christentum übergetreten. Durch den 30-jährigen Glaubenskrieg, der die katholische Kirche spaltete, wurden weite Teile Mitteleuropas wüst und unbewohnt.

In einer Schilderung über die Zustände des Amtes Mackenzell hieß es im Jahre 1648: Nüst ist gantz wüst unbewonth, Hassel (Kirchhasel, Haselstein) liegen alle wüst, Gotthards liegt wüst und verdorben.
Doch schon mit der Wiederbesiedlung der kleinen Ortschaft Nüst zog auch wieder das Christentum mit dem katholischen Glauben ein. Die ersten Eintragungen in den Pfarrbüchern der Gemeinde Mackenzell begannen im Jahre 1698. Bei einer Visitation (lat. = besuchen, bedeutet den Besuch eines Kirchenoberen mit Aufgabenbefugnis zum Zweck der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle) im Jahre 1731 wurde der Heilige Vitus als Titular der Kapelle in Nüst genannt. Die Liste der Pfarrer in Mackenzell beginnt mit Andreas Wiedenlocher, geboren in Hünfeld. Er war von 1736 bis zu seinem Tod 1760 in Mackenzell im Amt. Bereits im Jahre 1736 wurde Mackenzell zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben. Ihr wurden am 14. Mai 1737 die Gemeinden Nüst und Molzbach als Filialen unterstellt. Zu Ehren der Heiligen Sankt Vitus und Sankt Xaver wurde 1743 eine Glocke gegossen, die beide Weltkriege überstand. Die Worte der Inschrift sind durch Sternchen getrennt:

S * VITUS * MARIA * VND * FRANC * XAVERIUS * 1743 *

Darunter befinden sich noch ein Korpus des Gekreuzigten und eine Darstellung der Heiligen Familie in einem herzförmigen Rahmen, umgeben von fünf Sternen und den Buchstaben I M I (Jesus Maria Joseph). Ein Glockengießer ist nicht genannt. Der Durchmesser der kleinen Glocke ist mit 39 cm und der Ton mit „g" angegeben. Eine neue, wohl größere Fachwerkkapelle mit Dachreiter wurde 1763 errichtet. Es ist weiter nicht bekannt, ob die ältere Kapelle baufällig war oder ob der Neubau wegen der gestiegenen Einwohnerzahl errichtet wurde. Wohl aus Frömmigkeit wurde durch Paulus und seine Frau Elisabetha Bernhardt 1813 der älteste Bildstock in der Gemeinde Nüst errichtet. Am alten Friedhof wurde das Friedhofskreuz 1866 durch Walter Dietz errichtet. In der Hünfelder Zeitung war am 4. Januar 1908 folgender Text zu lesen:

,,Nüst (Kreis Hünfeld), 1. Jan. Der Kaiser wurde in das Taufbuch für Nüst als Taufzeuge des im vergangenen Jahre geborenen achten Sohn des hiesigen Bahnarbeiters Josef Aha eingetragen. In der hiesigen Aha'schen Familie folgte dem ersten Sohn eine Tochter, dann aber erblickten 7 kräftige künftige Vaterlandsverteidiger in ununterbrochener Reihenfolge das Licht der Welt." (Taufbuch Nüst 1907, Seite 94 Eintrag 526)

Im Jahr 1910 waren in Nüst 242 Katholiken und 14 Protestanten wohnhaft.

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